| Moderator Roman Mostofi:
... Jeder hat probiert aufzuhören - ist immer wieder daran gescheitert...
Vielleicht ist es ja heute, am Weltnichtrauchertag, ein guter Grund, es
noch einmal zu probieren...
Ich bin motiviert aufzuhören. Ich habe ja auch schon aufgehört
gehabt - ein halbes Jahr war ich Nichtraucher - und habe dann wieder angefangen.
Wie ist das mit mir? Bin ich ein hoffnungsloser Fall oder gibt es auch
noch für mich Hoffnung?
Seminarleiter Thomas Halva:
Auf keinen Fall bist du ein hoffnungsloser Fall. Es gibt im Prinzip keine
hoffnungslosen Fälle. Es gibt nur Raucher, die nicht mehr an sich
glauben und daran kann man durchaus sehr viel ändern und das werden
wir versuchen.
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Roman Mostofi:
Die Frage, die mich natürlich am brennendsten interessiert:
Warum scheitern so viele Leute mit ihrem Versuch aufzuhören?
Thomas Halva:
Die meisten Raucher verlassen sich auf ihre Willenskraft und hoffen dann,
daß alles besser wird, je länger sie es durchhalten, wenn sie
nicht rauchen. Nach drei bis vier Wochen stellt sich dann heraus, daß
es eben nicht so ist, weil sie ganz unvorbereitet an die Sache herangegangen
sind. Letztendlich ist die Verlockung dann irgendwann zu groß und
- sie scheitern.
Roman Mostofi:
Was ist das Problem mit der Willenskraft? Haben wir einfach nicht genug
Willen, wenn wir sagen "Ich rauche
nicht mehr", um das tatsächlich durchzustehen?
Thomas Halva:
Das ist der naheliegendste Gedanke. Aber genauso ist es nicht.
Es ist natürlich deprimierend, immer wieder zu erkennen, es nicht
geschafft zu haben, allerdings in Wirklichkeit ist die Willenskraft nicht
das richtige Werkzeug dazu.
Roman Mostofi:
Sondern?
Thomas Halva:
Die richtige Vorbereitung, die richtige Motivation, das richtige Wissen
um die ganze Sache und die Dinge, die dahinter stecken.
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Roman Mostofi:
Wie geht man es jetzt am besten an? Wenn ich mich vorbereite, was ist
da der erste Schritt?
Thomas Halva:
Im Grunde sollte man damit anfangen, sich
etwas zuzutrauen. Sich nicht ans letzte Mal
erinnern, als man gescheitert ist und dadurch gleich wieder mit dem Vorsatz
"Hoffentlich diesmal!" in den neuen Start zu gehen, sondern
sich zu sagen "Ja natürlich! Diesmal werde ich es schaffen!".
Positiv denken, einfach positiv denken!
Roman Mostofi:
Also ich bin ein top-motivierter Nichtraucher-Kandidat. Ich nehme mir
quasi täglich vor nicht zu rauchen und scheitere meistens noch vor
7 Uhr...
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Roman Mostofi:
Wir haben gerade gehört, der erste Schritt zum Nichtraucher ist die
richtige Einstellung. Was zeichnet denn diese aus und wie kommt man an
sie?
Thomas Halva:
Das Problem ist sicher, daß sich alle Raucher - bevor sie "es"
angehen - einmal höllisch fürchten vor dem, was kommen wird.
Das heißt, man dämpft die letzte Zigarette aus in dem Vorahnung,
am nächsten Morgen wahrscheinlich ein grauenhaftes Erwachen zu haben,
weil man ja weiß, dann nicht mehr rauchen zu dürfen. Das heißt,
man hat eine bestimmte Angst vor etwas, das in Wahrheit vielleicht ja
niemals passiert.
Da haben wir dann das erste Problem, daß wir mit einer Illusion
zu kämpfen haben, von der wir eben nicht wirklich wissen, daß
es eine ist. Wir warten auf etwas, das vielleicht nie passieren wird.
Roman Mostofi:
Etwas, das man regelmäßig hört ist:"Ich halte nicht
durch. Ich fange immer wieder an...
Thomas Halva:
Ja, mit dem Durchhalten ist das immer so eine Sache. Jeder meint, etwas
"durchhalten" zu müssen.
Durchhalten muß man etwas, das man eigentlich nicht will. Und da
ist man wieder am falschen Fuß unterwegs.
Durchhalten versuchst du etwas, womit du de facto nichts "am Hut"
haben möchtest, und das ist ja beim Rauchen aufhören definitiv
nicht der Fall.
Die Diskrepanz ist, daß jeder Raucher von sich sagt "Ich will
Nichtraucher werden!". Aber kaum hat der das Ziel vor Augen, dann
dreht er sich quasi um und kommt d'rauf, daß er ja im Grunde seine
Zigaretten doch nicht entbehren - auf sie nicht verzichten - will.
Da haben wir einen eindeutigen Konflikt. Eines davon kann nicht stimmen
und jeder kann sich überlegen, was das wohl sein wird.
Roman Mostofi:
Aber es fällt halt so schwer. Ich kann schon sagen "Ich höre
jetzt auf zu rauchen", aber in zwei Stunden möchte ich dann
wieder eine Zigarette haben.
Thomas Halva:
Das Haben-wollen ist sicher ein ganz, ganz wesentlicher Moment an der
Sache. Man darf aber auch nicht vergessen: Es handelt sich beim Nikotin
um eine . Es ist die vielleicht am schnellsten
abhängig machende Droge, die wir kennen und die hat natürlich
ihre Wirkung. Und daß diese nicht in einer Stunde oder unbehandelt
einfach vorübergeht, das muß auch jedem klar sein.
Roman Mostofi:
Ganz besonders schwierig sind ja die Momente, wo die sogenannte "Genußzigarette"
ins Spiel kommt, nach dem Sex zum Beispiel...
Christine Frenkenberger:
...du meinst wohl nach einem guten Essen...?
Thomas Halva:
Ja, ein großartiger Vergleich. Da haben wir auch der einen Seite
den Sex (oder das gute Essen...) und den Genuß - paßt wunderbar
zusammen -, auf der anderen Seite die Zigarette und den Genuß.
Da ist schon wieder nicht mehr so klar, warum sie einen Genuß darstellen
soll. Und näher betrachtet wird es auch immer unklarer. Nur das glaubt
halt auch niemand...
Roman Mostofi:
Ihr könnt diesen Konflikt in eurem Seminar auslösen?
Thomas Halva:
Ja.
Roman Mostofi:
Eine Frage, die mich ja auch beschäftigt: Woher kommt den überhaupt
das Bedürfnis zu rauchen? Warum raucht man(n) und frau?
Thomas Halva:
Das alles beginnt meist in recht jungen Jahren. Das heißt, durch
die vielen, vielen Leute, die wir als junger Mensch sehen, die alle rauchen.
Diese Personen erzählen uns noch, daß wir bloß nicht
mit dem Rauchen anfangen sollen, weil's ja so schädlich ist. Das
wollen wir natürlich nicht glauben - können es nicht glauben
-, weil, wenn das stimmt, was sie uns alles von gesundheitlichen Aspekten
prophezeien, dann würden sie es ja selbst nicht tun. Sie verwickeln
sich das selbst in Strittigkeiten.
Und was machen wir? Wir rauchen irgendwann die erste Zigarette.
Während wir noch glauben, daß wir jederzeit aufhören können,
wann immer wir das wollen - und wir glauben das wirklich - verselbständigt
sich die Sache und fährt mit uns den sprichwörtlichen "Schlitten".
Zu einem späteren Zeitpunkt kommen wir darauf, daß wir da nicht
mehr so ohne Weiteres herauskommen.
Roman Mostofi:
Das Interessante ist, daß die erste Zigarette eigentlich total grauslich
ist. Und später dann redet man im Laufe der Zeit von der "Genußzigarette".
Auch ein Widerspruch, oder?
Thomas Halva:
Absolut, absolut. Also, wenn ich Genuß in Verbindung mit Zigarette
mit Genüssen, die das Leben mit sich bringt, vergleiche, dann komme
ich darauf, das Eine hat mit dem Anderen überhaupt nichts zu tun.
Genuß und Zigarette, das ist eigentlich so wie der Teufel und das
Weihwasser...
Wenn man darüber nachdenkt - und das macht man in den seltensten
Fällen - kommt einem das von selbst widersprüchlichst vor.
Aber, wie gesagt, man denkt nicht darüber nach, und darum macht der
Raucher das, was er jeden Tag macht: Er tut sich leid und - raucht einfach
weiter.
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Roman Mostofi:
Da gibt es eine Art Reflex, würde ich fast sagen, daß man zur
Zigarette greift, auch wenn ich im Grunde genommen weiß, "sie
schmeckt jetzt nicht so super" oder sie ist nicht gesund und man
braucht sie gar nicht. Das kann schon alles irgendwie klar sein und trotzdem
raucht man.
Thomas Halva:
Man darf nicht vergessen oder nicht vernachlässigen: die Wirkung
von Nikotin ist doch recht erheblich. Sie trägt natürlich das
Ihre dazu bei. Sobald ich einmal eine halbe Stunde keine Zigarette geraucht
habe, werde ich als Raucher unruhig, nervös und das wirkt sich aus.
Je länger ich nicht rauchen kann, umso mehr wirkt es sich aus. Und
irgendwann ist der Moment, da kann ich wieder "meine so geliebte
Zigarette" rauchen. Dann ist alles wieder gut und die Welt scheint
wieder heil. Und das "genießen" wir...
Roman Mostofi:
Ja, das soll aber nicht so sein...
Fassen wir noch einmal zusammen:
Wenn man sich entschließt, nicht mehr zu rauchen - wie geht man
es am besten an?
Thomas Halva:
Ganz wichtig: der erste Schritt ist sicher einmal einen Entschluß
zu fassen. Das ist sicher nicht leicht - wir wissen das.
Jeder Raucher hat diesen Entschluß schon einmal getroffen und jeder
weiß, wie schwer es ist, diesen auch wirklich umzusetzen.
Aber
Die Angst ist genau das, worüber wir immer wieder stolpern. Die Furcht
vor etwas, das in Wahrheit vielleicht nie passieren wird. Die Panik vor
dem, was morgen sein wird.
Ob es sein wird, wissen wir bis zu dem Zeitpunkt nicht, aber fürchten
tun wir uns schon 'mal höllisch.
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Roman Mostofi:
Ist das auch die größte Gefahrenquelle? Oder gibt es andere
"Fallen" auch?
Thomas Halva:
Wer glaubt, weil er schon zwei Wochen durchgehalten hat, kann ihm nichts
mehr passieren, scheitert oft "an sich selbst".
Es ist nämlich meist so, daß man sich dann sagt: "Jetzt
habe ich schon über zwei Wochen nicht geraucht, jetzt bin ich eh
schon geheilt. Da kann ich mir doch ab und zu eine Zigarette gönnen."
Oder man meint: "Eine Zigarette kann nicht so schlimm sein. Bei der
einen wird es ja bleiben."
Aber das spielt es so nicht! Das funktioniert nicht!
Dazwischen gibt es gar nichts. Nur der Weg zum Raucher, wenn du es gerade
'mal nicht mehr warst.
Roman Mostofi:
Ihr bietet ja für alle, die selbst von dieser Sucht nicht loskommen,
Seminar an.
Was passiert in diesen Nichtraucherseminaren?
Thomas Halva:
In unseren Seminaren gehen wir auf all die Dinge ein, die ein ganzes Leben
lang auf den Raucher eingewirkt haben. Jene Einflüsse, die dazu geführt
haben, daß er heute das glaubt, was er glaubt. Daß er das
Rauchen genießt, daß er ohne Zigaretten nicht leben kann oder
will, daß er ohne Raucher zu sein in seiner Gesellschaft nicht so
anerkannt ist, wie er es vielleicht meint zu sein.
Das ist alles Müll! Es ist einfach nicht wahr!
Das beweisen uns täglich alle Nichtraucher,
die uns begegnen und sie machen das sehr anschaulich.
Wir stärken die Motivation, das Selbstvertrauen!
Niemand glaubt nach fünf gescheiterten Versuchen an sich. Jeder ist
am Boden zerstört, schaut sich in den Spiegel und sagt sich "Naja,
wieder nichts.". Das ist dem Selbstvertrauen natürlich sehr
abträglich.
Roman Mostofi:
Wie hoch ist eure Erfolgsquote?
Thomas Halva:
Wir freuen uns, daß wir über eine Erfolgsquote von ca. 75%
sprechen können. Nach einem Jahr sind in etwa 75 von 100 Teilnehmern
Nichtraucher, und zwar nicht im Sinn von "noch immer", weil
sie in der Zeit erfolgreich "gekämpft" haben, sondern im
Sinne von "Nichtraucher" - sie
sind frei und freuen sich darüber mehr als über alles andere.
Roman Mostofi:
Ich glaube, wir haben heute einiges über das Nichtrauchen gelernt.
Thomas Halva:
Vor allem hoffe ich, daß einige Raucher wieder den Mut gefunden
haben, sich wieder mit der Sache auseinander zu setzen. |